Der Weg zum Wasserstoff führt über die internationale Zusammenarbeit

Hype Rimini: Der Erfolg des „Southern Hydrogen Corridor“ hängt von der Marktintegration und der Spezialisierung der italienischen und deutschen Fertigungsindustrie ab Damit die europäische Energiewende erfolgreich ist und auf Wasserstoff setzt, muss ein System der Zusammenarbeit zwischen den Ländern aufgebaut werden. Das ist die Botschaft, die aus dem „German-Italian Energy Talk“ in Rimini hervorging, der sich mit den Perspektiven von Wasserstoff als Träger für Dekarbonisierung und Energiesicherheit befasste. Die Energiewende als Industriestrategie In seinem Beitrag betonte Fabrizio Penna, Leiter der PNRR-Mission des Ministeriums für Umwelt und Energiesicherheit, dass sich Europa an einem entscheidenden Punkt befindet: Die Energiewende ist nämlich nicht nur ein Klimaziel, sondern eine echte Industriestrategie. In Italien sieht der PNRR Investitionen in Höhe von fast 3 Milliarden Euro für Wasserstoff sowie über 50 „Hydrogen Valleys“ vor, die mit rund 600 Millionen Euro finanziert werden, mit dem Ziel, die Erzeugung erneuerbarer Energien mit den energieintensivsten Industriezentren zu verbinden. Die europäische Dimension ist jedoch für die Entwicklung des Marktes von grundlegender Bedeutung: Nur auf kontinentaler Ebene können angemessene Infrastrukturen, gemeinsame Standards und Bedingungen zur Gewinnung privater Investitionen gewährleistet werden. In diesem Zusammenhang erscheint die Zusammenarbeit zwischen Italien und Deutschland von strategischer Bedeutung: Italien kann Flexibilität in der Fertigung und eine zentrale infrastrukturelle Lage im Mittelmeerraum bieten, während Deutschland eines der wichtigsten Industrie- und Technologiezentren Europas darstellt. Von Nordafrika über Italien nach Deutschland Auf deutscher Seite wies Patricia Schikora vom Bundeswirtschaftsministerium darauf hin, dass der Wasserstoffbedarf in Deutschland bis 2045 zwischen 150 und 650 TWh erreichen könnte. Um diesen Bedarf zu decken, wird man in erheblichem Maße auf Importe zurückgreifen müssen, wobei der Anteil auf 26 % bis 92 % geschätzt wird, was 25–418 TWh importiertem Wasserstoff entspricht. In diesem Szenario spielt der Southern Hydrogen Corridor eine zentrale Rolle, ein rund 4.000 Kilometer langes Infrastrukturnetz, das Nordafrika über Italien mit Mitteleuropa verbinden wird. Das Projekt, das weitgehend auf die Wiederverwendung bestehender Gasinfrastrukturen abzielt, könnte bis zu 126 TWh Wasserstoff pro Jahr transportieren, was etwa 3,8 Millionen Tonnen entspricht. Weltweit nehmen die Investitionen in diesem Sektor weiter zu, und die Zahl der Projekte für sauberen Wasserstoff übersteigt mittlerweile 500, wobei Europa bei der Anzahl der bis 2030 fertiggestellten Projekte führend ist. Es bleiben jedoch Herausforderungen in Bezug auf die Produktionskosten, die industrielle Nachfrage und die Geschwindigkeit der Genehmigungsverfahren bestehen. Aus diesem Grund wird die Zusammenarbeit zwischen Industrie, Institutionen und dem Finanzsektor entscheidend sein, um Wasserstoff von einem technologischen Versprechen zu einer tragenden Säule des europäischen Energiesystems zu machen.