Open Innovation ist ein Modell, bei dem Unternehmen durch die Zusammenarbeit mit Start-ups, Universitäten und externen Partnern Innovationen vorantreiben. Aufgrund seiner Schnelligkeit und Flexibilität ist es in der Softwarebranche bereits weit verbreitet und gewinnt trotz größerer Komplexität auch in der Fertigungsindustrie zunehmend an Bedeutung. In der Industrie führt es zu konkreten Innovationen bei Produkten, Prozessen und Geschäftsmodellen.
Lange Zeit bedeutete Innovation, sich fast ausschließlich auf interne Forschung, Patente und unternehmensintern geschütztes Know-how zu konzentrieren. Ein geschlossenes Modell, in dem Wettbewerbsfähigkeit durch die Verteidigung der eigenen Kompetenzen aufgebaut wurde. Heute reicht dieser Ansatz allein jedoch nicht mehr aus: Technologien, Märkte und Geschäftsmodelle entwickeln sich zu schnell, als dass ein Unternehmen alles intern entwickeln könnte. In diesem Szenario setzt sich Open Innovation durch, also die Fähigkeit, durch Öffnung nach außen innovativ zu sein.
Das vom Ökonomen Henry Chesbrough bekannt gemachte Konzept basiert auf der kombinierten Nutzung von internem und externem Wissen, um Innovationsprozesse zu beschleunigen und neuen Mehrwert zu schaffen. Das Unternehmen ist kein geschlossenes System mehr, sondern wird Teil eines Ökosystems, das Start-ups, Universitäten, Lieferanten, Kunden, Forschungszentren und Industriepartner umfasst. Innovation entsteht somit immer häufiger aus dem Zusammentreffen unterschiedlicher Kompetenzen.
Ein strategischer Hebel
Heute ist Open Innovation vor allem aus wirtschaftlichen und technologischen Gründen zu einem strategischen Hebel geworden. Die interne Entwicklung neuer Lösungen erfordert Zeit, Investitionen und Kompetenzen, die immer schwerer zu finden sind. Im Gegensatz dazu können Start-ups und spezialisierte Labore bereits ausgereifte Technologien in Bereichen wie künstliche Intelligenz, Sensorik, fortschrittliche Materialien, Industriesoftware, Nachhaltigkeit und Robotik anbieten. Laut dem Open Innovation Report 2025 von Sopra Steria betrachten heute 80 % der Großunternehmen Open Innovation als wichtig oder geschäftskritisch, ein Anstieg gegenüber 67 % im Jahr 2023. 76 % planen zudem, in den nächsten 24 Monaten mit Start-ups zusammenzuarbeiten. Eine besonders aussagekräftige Zahl betrifft die Governance: Unternehmen mit einer speziellen Struktur verzeichnen Erfolgsraten von 73 %, gegenüber 49 % bei denen, die keine solche Struktur haben.
Wie funktioniert Open Innovation: die gängigsten Modelle
Die Umsetzungsmethoden sind vielfältig. Am weitesten verbreitet ist die Zusammenarbeit mit Start-ups und Scale-ups, oft über Innovationsaufrufe, Accelerator-Programme oder Pilotprojekte. Hinzu kommen Partnerschaften mit Universitäten und Forschungszentren, die in den fortschrittlichsten Branchen von grundlegender Bedeutung sind, sowie die Einbeziehung der Lieferanten, die in vielen Lieferketten wahre Technologie-Partner darstellen. Auch die Rolle der Kunden gewinnt zunehmend an Bedeutung, da sie immer stärker in die Produktentwicklung einbezogen werden, während Instrumente wie Corporate Venture Capital und Venture Building es Unternehmen ermöglichen, direkt in neue Unternehmen zu investieren oder diese gemeinsam mit externen Partnern zu gründen.
Von der Software bis hin zum „harten“ Teil der Fertigung
Open Innovation hat sich zunächst in der Softwarebranche verbreitet, wo die Kosten und die Entwicklungszeiten geringer sind und die Integration neuer Lösungen schnell vonstattengeht. In der Fertigungsindustrie hingegen ist der Weg komplexer, da er mit physischen Einschränkungen, Produktionsanlagen, Zertifizierungen und höheren Investitionen verbunden ist. Gerade deshalb führt offene Innovation jedoch zu noch greifbareren Ergebnissen, wenn sie in der Fabrik Einzug hält.
An konkreten Beispielen mangelt es nicht: gemeinsam mit Start-ups entwickelte visuelle Erkennungssysteme für die Qualitätskontrolle, integrierte Sensoren für die vorausschauende Instandhaltung, autonome mobile Roboter in der Logistik sowie neue Materialien, die gemeinsam mit Universitäten und Forschungszentren entwickelt wurden, um den Verbrauch und die Emissionen zu senken.
In diesem Zusammenhang spielen Messen eine immer strategischere Rolle. Sie sind nicht mehr nur Ausstellungsorte, sondern echte Plattformen für offene Innovation, auf denen sich Unternehmen, Start-ups, Forschungszentren und Zulieferer treffen, Technologien testen und Partnerschaften aufbauen. Die Bündelung vertikaler Kompetenzen und Akteure der Lieferkette macht diese Veranstaltungen zu natürlichen Katalysatoren der Zusammenarbeit, die die Zeit für die Suche nach Partnern verkürzen und konkrete Projekte auf den Weg bringen können. In einem zunehmend offenen Ökosystem werden Messen so zu physischen Innovationszentren, in denen sich Verbindungen in industrielle Chancen verwandeln.


